Räuchern zur Weihnachtszeit

Tea Time in der Badewanne – eine Idee von Iris Lins vom Kräuternest
19. Dezember 2021
Aphorismus von Markus Mirwald
21. Dezember 2021

In den Raunächten, die von Heiligabend bis zu Dreikönig dauern, im erweiterten Zeitraum von Advent bis Lichtmess, wird schon seit langer Zeit geräuchert, ob mit Weihrauch und Myrrhe, getrockneten Kräutern, Harzen, Rinden und Blüten. Dieser besonderen Zeit wird nachgesagt, dass die Schwelle zur Anderswelt besonders dünn ist und daher auch der Glaube, dass man in der Christnacht, wenn man genau hinhört das Vieh im Stall sprechen hört.

Meine Schwiegermutter hatte immer aus dem Kachelofen heiße Kohlen in einen alten Metalltopf getan und ist mit Weihrauch durch Hof und Stall gegangen und hat geräuchert, zur Segnung und Reinigung des ganzen Gehöfts und der Menschen und Tiere.

Vielen ist nur das Räuchern in der Kirche und von den Sternsingern bekannt, es gibt jedoch viel mehr. Ich liebe das Räuchern mit heimischen Kräutern, wie Wacholder, Beifuß, Engelwurz zur Reinigung und aber auch zur Heilarbeit und auch zum Willkommen sein eines neuen Erdenbürgers, z.B. mit Lavendel.

Laut unseres Pfarrer Spieler trägt Weihrauch unsere Gebete in den Himmel. Weihrauch hat jedoch eher ein männliches, geistiges Element, darum wurden früher in der Kirche viele ohnmächtig, es hat den Leuten den Boden unter den Füssen weggezogen, jedoch mit Myrrhe gemischt, das dem weiblichen, erdenden Element zugeordnet ist, gibt es eine harmonische Wirkung.

In der Weihnachtszeit räuchere ich gerne mit Wacholder und Engelwurz und Baumharz, das ich im Sommer, man sagt bei den Hundstagen, wo es besonders heiß ist, sammle und dann trocknen lasse. Zu dieser Zeit ist es auch ein schöner Brauch, wenn sich mehrere Familienmitglieder daran beteiligen, z.B. am Nachmittag des Heiligabends. Dabei in einem feuerfesten Gefäß, halb mit Sand gefüllt, Räucherkohlen mit einer Zange greifen und an einer brennenden Kerze anzünden und nach draußen stellen, bis sie weiß und durchgeglüht sind. Das dauert etwa 10 Minuten. Dann die gemahlenen, bzw. zerkleinerten Kräuter drauflegen und durchs ganze Haus und Garten gehen und mit einer Feder, wer hat eine Adlerfeder, den Rauch verteilen, durch Fächeln. Wenn die Kohle nicht mehr glüht, die Asche und das Räucherwerk vorsichtig mit der Zange abkratzen, dann bekommt die Glut wieder Sauerstoff.

Es können auch fertige Mischungen gekauft und auf einem Stövchen mit Sieb verräuchert werden. Das ist für manche für den Anfang einfacher, dafür das Stövchen auf eine feuerfeste Unterlage stellen. Getrocknete Kräuter auf das Sieb streuen und die Kerze darunter anzünden, die Flamme sollte jedoch hoch genug sein für genügend Hitze, jedoch dabei die Kräuter nicht verbrennen.

Beim Räuchern oder Verglimmen auf dem Sieb werden die eingeschlossenen, ätherischen Öle der verwendeten Kräuter und Harze frei und wirken direkt auf das vegetative Nervensystem.

Beliebte Kräuter zur Weihnachtszeit sind Mistel, Beifuß, Kiefernrinde, Alantwurzel, Fenchel, Holunder, Johanniskraut, Königskerze, Stechpalme, Mariengras, Mammutbaum, Wacholderspitzen und Tanne. Man sagt der Tanne nach, dass sie gleich schwingt, wie der Mensch und alte Verletzungen heilt.

Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Ausprobieren,

Martina Tiefenthaler