12. Dezember: Was bedeutet Advent für mich?

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13. Dezember: Die drei Spatzen
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Unser Adventkalender beschäftigt sich ja dieses Jahr unter anderem mit der Frage: Was bedeutet Advent?

Heute teilt Gudrun Winkler, Psychotherapeutin, ihre Gedanken über die Adventszeit mit uns.

Gudrun Winkler wohnt seit kurzem in Frastanz, engagiert sich ehrenamtlich und hat im letzten Sommer beim wöchentlichen Vorlesen und Erzählen „Lesen im Park“ mitgemacht. Herzlichen Dank für deinen Beitrag.

 

Was bedeutet Advent für mich?

 

Die schöne Adventzeit gehörte für mich in meiner Kindheit und Jugend als etwas ganz
Selbstverständliches zum Jahreskreislauf dazu. Täglich stand ich mit meiner Mutter (mein
Vater war noch bei der Arbeit) und meinen Geschwistern vor dem selbstgemachten
Adventkranz mit den duftenden Zweigen und den brennenden Kerzen und wir beteten und
sangen – alles hingerichtet auf das große Ereignis des baldigen Weihnachtsfestes. Wie in der
dörflichen bäuerlichen Kultur zu der Zeit üblich, wurde auch am Weihnachtsabend gebetet
und aus der Bibel gelesen, bevor es in die Stube mit dem magischen Weihnachtsbaum und
zu den Geschenken ging.

Später gingen meine Entwicklungswege woanders hin und ich bekenne mich heute zum
Bahá’í-Glauben, der es mir ermöglicht, mit Menschen aus allen Kulturen und Religionen
dieser Welt möglichst vorurteilsfrei zusammenzuarbeiten und ihre Traditionen
kennenzulernen.

Am meisten interessiert mich aber heute der Kern jeder Religion, nämlich, dass durch das
Auftreten jeder Manifestation Gottes Veränderung, Wandel und Freude bewirkt wird. So
auch durch Jesus Christus, dessen Geburtstagsfest im Advent erwartet wird. Ich habe weder
einen Adventskranz noch einen Weihnachtsbaum, aber ich freue mich mit den Christen, die
rundherum feiern und diese dunkle Zeit mit Lichtern und frohen Gedanken erhellen.

Manchmal denke ich, dass es schön wäre, wenn doch der christliche Kerngedanke mit seiner
wunderbaren, glanzvollen Botschaft der umfassenden Liebe in unserer Gesellschaft, in der
echte Religiosität kontinuierlich schwindet, wieder mehr im Vordergrund stehen würde.